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Ein Erfahrungsbericht

Daniela Scherzer
Pferdepension Nackenberg,
Reisbach

berichtet über die

artgerechte Pensionspferdehaltung

in einem HIT- Aktivstall©

Vor etwa fünf Jahren machte ich mich auf die Suche nach einem alten Bauernhof, um meine Vorstellungen von wirklich artgerechter Pferdehaltung mit einem eigenen Pensionspferdebetrieb zu realisieren. Im Laufe eines Jahres besichtigte ich nicht nur käufliche Immobilien, sondern vor allem auch in ganz Bayern Pferdehöfe, die sich mit mehr oder weniger großer Berechtigung als »artgerecht« titulierten. Das war eine wertvolle Hilfe und im positiven wie auch negativen Sinn Anregung für meinen eigenen Betrieb. Nach Suche wurde ich in Niederbayern fündig.
Ein alter, sehr heruntergekommener Dreiseithof in herrlicher Lage bot sich an, meine nun schon sehr konkreten Ideen zu verwirklichen.

Die Bauphase

Die ersten Monate vergingen mit dem Abriss von verfallenen Gebäudeteilen, unendlichen Müll- und Schuttbergen, wegschaffen von zehn Jahre altem Heu und Stroh. Meine zwei Araber lebten hier mit mir und wurden durch die ganze Bauerei noch cooler und menschenbezogener als sie sowieso schon waren. So sah ich auch, welche Stellen sie hier in ihrem zukünftigen Auslauf besonders mochten und welche sie weniger oft aufsuchten. Das half mir bei der Festlegung der Standorte für z. B. die beheizte Tränke, die natürlich nicht an einem gerne besuchten Ort stehen soll, damit nicht etwa ranghohe Tiere den Zugang zur Tränke längere Zeit blockieren. Der Grundgedanke des HIT-Aktivstalles ist es, alle von den Pferden benutzten Stellen wie Ruheraum, Futterstationen, Tränke usw. möglichst entfernt von einander anzubringen. Außerdem ist grundlegend wichtig, den Pferden genügend große Flächen mit Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Nicht nur um dem Bewegungsdrang der Tiere gerecht zu werden, sondern vor allem auch um für Frieden in der Herde zu sorgen. Dass der gesamte Auslauf drainiert und mit verschiedenen Bodenbelägen befestigt werden sollte, war schon anfangs klar. Eine große Entscheidung stand an, als es um die Frage der Fütterung ging. Sollten es Futterstände werden oder gar eine automatische Fütterungsanlage? Die Vor- und Nachteile der Futterstände lagen ja auf der Hand - auf der einen Seite die auf den ersten Blick geringeren Kosten, auf der anderenSeite aber doch die großen Nachteile für die Pferde. Es sind eben doch nur wenige Mahlzeiten am Tag möglich aufgrund des Arbeitsaufkommens, außerdem beobachtete ich in den Ställen mit Futterständen doch sehr viel Unfrieden in den Herden, bis bei der Futterverteilung endlich jedes Pferd in einem Stand ist. Rangeleien mit Verletzungen sind da nicht selten.

Automatische Fütterung von Vorteil

Die Vorteile der automatischen Fütterung überwogen dagegen in meinen Augen deutlich. Nicht nur, daß die Pferde stündlich in kleinen Portionen ihr individuell zugeteiltes Kraft- und Mineralfutter abrufen können und damit ihrem Freßverhalten und dem kleinen Pferdemagen Rechnung getragen wird, sondern auch in anderer Hinsicht bringt diese Fütterung enorme Vorteile: Futterneid und daraus resultierende Verletzungen werden ausgeschlossen, die Pferde sind ständig in Bewegung und dauernd beschäftigt. Da ich als Frau diesen Hof alleine bewirtschafte, fiel die Entscheidung für eine automatische Fütterungsanlage noch leichter, da mir diese doch auch einige Sicherheit gibt - sollte ich eine Autopanne oder Schlimmeres haben, die Pferde werden trotzdem gefüttert. Nicht unbeträchtlich ist auch die Arbeitszeitersparnis! Ein wichtiger Aspekt bei der Planung des Ruheraumes war die Eingewöhnung neuer Pferde. So ließ ich mir maßgeschneidert mobile Boxen anfertigen, die sehr schnell auf- und abzubauen sind. Es wurden drei Ein- und Ausgänge geschaffen. Der alte Betonboden im Ruheraum wurde entfernt und statt dessen eine dicke Lage gerüttelter Kies aufgebracht und darauf dicke Gummi- Softbetten verlegt. Außer der hervorragenden Wärmeisolierung bieten diese Matten noch folgende Vorteile: die Pferde stehen nicht so hart, es gibt keinen Abrieb, Urin zieht nicht ein, der Gummi ist sehr gut sauber zu halten, die Einstreumenge reduziert sich.

Der laufende Betrieb

Nach fast zweijähriger Bauphase wurde der Betrieb im Herbst 2001 eröffnet. Neue Pferde werden in dem Ruheraum zuerst in den mobilen, 24 qm großen Boxen untergebracht, hier entwurmt und können die vorhandenen Pferde schon mal kennenlernen.

Der Auslauf befestigt mit
HIT- Bodenraster

Nach dieser Eingewöhnungsphase werden die Pferde unter Aufsicht auf der größten Weide zusammengebracht und erst nach Klärung der Rangordnung dürfen die neuen Pferde im Auslauf dabeisein. Wobei es sich gezeigt hat, daß es umso einfacher wird, je mehr Pferde schon in der Herde sind.

Ich habe von Anfang an eine gemischte Herde angestrebt, da erfahrungsgemäß die Pferde - bei genügend Platzangebot - in einer gemischten Herde ausgeglichener sind. Junge Pferde werden von alten erzogen, alte werden von den jungen zum Spielen animiert und damit junggehalten, Stuten und Wallache können tiefe Freundschaften eingehen, während die Spiele meistens unter Gleichgeschlechtlichen stattfinden, da das Spielverhalten bei Stuten und Wallachen verschieden ist.

Sehr bewährt hat sich in der Praxis unser dreigeteilter Auslauf mit verschiedenen Bodenbelägen: in den Freßbereichen ist der gepflasterte Boden gut sauberzuhalten, zum Spielen regt der Hackschnitzelbereich an, zum Laufen und Wälzen der Bereich mit Bodenrastern und Sand.

Den Hufen und Lungen der Pferde zuliebe wird auf größtmögliche Sauberkeit geachtet, es wird laufend das gesamte Areal abgemistet. Nur unser Hufschmied beschwert sich: er »moniert« den zusehends besseren Zustand der Hufe aller Pferde und den damit für ihn geringeren Verdienst inzwischen können alle Pferde barfuß laufen, obwohl das natürlich nicht Pflicht ist. Seit letztem Herbst wurdedie Anlage nun noch um computergesteuerte Heudosierer erweitert. Nach den durchweg sehr positiven Erfahrungen mit der automatisierten Kraftfutteranlage fiel der Entschluß zu dieser neuen Ausgabe nicht allzu schwer. Auch hier sind die Vorteile immens: stündlich abrufbare kleine Portionen belasten den Magen nicht, die Freßzeit wird individuell festgelegt, kein Futterneid, keine dicken »Heubäuche«, auch der Schwächste kommt zu seiner Portion. Außerdem wird durch diese zusätzliche Station und fast stündliche Aufsuchen derselben ein weiterer Bewegungsanreiz gegeben. Damit den ganzen Tag Rauhfutter zur Verfügung steht, ist an der Längsseite der Scheune auch noch eine Strohraufe angebracht. Direkt anschließend an den Auslauf befinden sich sieben Hektar Weiden, die bis auf längere Schlechtwetterperioden den Pferden frei zugänglich sind. Selbst bei Matschwetter können die Pferde aber auf eine Matschkoppel. Das heißt, sie können jederzeit frei wählen, ob sie sich im Ruheraum, auf der Weide, in den jeweiligen Futterbereichen oder im befestigten Auslauf aufhalten wollen.


Die HIT-Heudosierer gewährleisten
eine individuelle Rauhfutterzuteilung
und reduzieren ganz wesentlich den
Zeitbedarf für die Fütterung
Es hat sich im Laufe der Zeit gezeigt, dass die Pferde durch diese Haltungsform nicht nur wesentlich ausgeglichener und gesünder werden, sondern auch selbstständiger, sicherer und verspielter. Anfängliche Befürchtungen von neuen Einstellern, die vorher nur Boxenpferde kannten, dass ihre Pferde hier »verwildern« oder etwa sich im Winter erkälten, wurden mehr als entkräftet – keiner der Einsteller würde sein Pferd nochmal in eine Box sperren! Nicht nur die Pferde haben hier ihren Spaß, sondern auch die Einsteller genießen die täglichen, regelmäßigen Spielstunden der Pferde und sehen ihnen oft lange zu.

Prädikat »sehr gut«

Im Herbst 2002 erhielt ich von der Laufstall-Arbeitsgemeinschaft bei der Stallbeurteilung für meinen HIT Aktivstall die höchstmögliche Bewertung mit fünf »Stallsternen« und dem Prädikat »sehr gut«. HIT Hinrichs Innovation + Technik plante mit mir das gesamte HIT - Aktivstall -Konzept und lieferte die komplette Fütterungsanlage für Kraft- und Raufutter sowie wesentliche Elemente wie z. B. Bodenraster und Zaunsysteme. Weitere Eindrücke des Betriebes unter:

www.pferdepension-nackenberg.de


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